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Wenn man Popkultur und die Erfolgsgeschichten der jüngeren Wirtschaftsgeschichte betrachtet, bekommt man schnell den Eindruck, dass ein Startup zu gründen ein Kinderspiel mit Geling-Garantie ist. Glaubt man den gängigen Erzählungen, braucht es einfach nur Visionen, das richtige Mindset und Networking-Events, auf denen es mehr Buzzwords gibt als Canapés – ein bisschen Bootstrapping hier, MVP und Pitch Deck da und schon kommen Skalierbarkeit und Hockeystick von ganz allein. Die Realität beim Gründen sieht jedoch anders aus. Erfolgsgeschichten sind vor allem eins: Ausnahmen. Im ersten Jahr scheitert bereits rund jedes vierte Unternehmen. Nach fünf Jahren sind sogar fast zwei Drittel nicht mehr am Markt (Quelle: ↗ IfM Bonn). Fehlende Nachfrage, kein Geld, strategische Fehlentscheidungen, schlechtes Timing – die Gründe, warum Unternehmen scheitern, sind so vielfältig wie die Unternehmen selbst. Der Weg zum Break-even ist gepflastert mit Frust, Rückschlägen und Zweifeln, über die kaum jemand spricht. Vielleicht, weil es nicht gut klingt. Vielleicht, weil es sich nicht gut verkauft. BREAK EVAN setzt mit einem ungewöhnlichen Format genau dort an. Der Comic erzählt von der Realität des Gründens, vom Druck zwischen Wachstum, Selbstvermarktung und unternehmerischem Anspruch – und von den absurden Situationen, die entstehen, wenn die Startup-Welt auf die ganz normale Realität trifft.

Graphic Novel statt trockener Startup-Fachliteratur

Zum Thema „erfolgreich Gründen“ gibt es unzählige Ratgeber, Whitepaper und vor allem LinkedIn-Artikel, deren Hauptziel die Erhaltung des Raketen-Emojis zu sein scheint. Sie alle zeigen aber vorrangig eins: Sicherheit, Wachstum und Leute, die scheinbar genau wissen, was sie tun. Bevor man als Gründerin oder Gründer an diesen Punkt kommt und die eigene Idee zu einer Erfolgsgeschichte wird, liegt jedoch ein langer Weg voller Unsicherheit. Denn abseits des Rampenlichts entstehen Hürden, die nicht mit bloßem „Mindset“ aus der Welt zu schaffen sind: Bürokratie, schlechte Berater*innen, unzählige Eigeninteressen, persönliche Befindlichkeiten, fehlendes Know-how, private Herausforderungen oder einfach nur schlechte Zufälle. Diese Faktoren lassen sich oft nicht einfach wegoptimieren. Sie stehen im Widerspruch zum gängigen Narrativ vom Entrepreneur, der nur genug „Commitment“ braucht. Und genau daraus entstehen Zweifel und das Gefühl, mit den eigenen Problemen allein zu sein.

Genau dieses Spannungsfeld ist der Ausgangspunkt von BREAK EVAN – einer fiktionalen Geschichte über Startup-Kultur, Gründungsrealität und die Widersprüche des Entrepreneurships. Dass die Geschichte in dieser Form erzählt wird, ist kein Zufall. Im deutschsprachigen Raum gibt es nur wenige fiktionale Formate, die solche Lebensrealitäten zugespitzt abbilden. Was Die Simpsons für die prekäre amerikanische Arbeiterklasse und Archer für die dysfunktionale Leistungselite sind, ist BREAK EVAN für die fragmentierte deutsche Gründerszene. Der tägliche Kampf zwischen Hype und Realität braucht eine Form, die mehr kann als einfach nur erklären: verdichten, überzeichnen, sichtbar machen.

Mockup Comic Break Evan

Zweifel, Druck und Zusammenhalt: Die Realität des Gründens

Im Zentrum steht Evan. Er ist ein junger Gründer aus Berlin, der sich in einer Welt wiederfindet, in der Klartext selten und Selbstinszenierung Standard ist. Zwischen Pitchdecks, Förderanträgen und Buzzword-Bingo wird ihm schnell klar: Wer nicht mitspielt, verliert – und wer mitspielt, verliert irgendwann sich selbst. Zwischen unternehmerischem Anspruch und alltäglichem Wahnsinn stellt Evan sich die eine Frage, die in keinem Entrepreneurship-Ratgeber steht: Wie viel Arschloch muss man sein, um nicht den Verstand zu verlieren?

Auf dem langen Weg zur Antwort ist Evan nicht allein. Seine direkten Mitstreiter, aber auch die Kritiker und Herausforderer sind wichtige Figuren, die mitziehen, gegensteuern, hinterfragen oder einfach nur versuchen, den Laden am Laufen zu halten.

Ein funktionierendes Team wird schnell mehr als nur eine operative Einheit. Es wird zum Ride-or-die. Zum Korrektiv. Und manchmal zum einzigen Ort, an dem die eigene Wahrnehmung noch mit der Realität abgeglichen werden kann. Evan findet diese Verbindung in seiner Mitgründerin Lima und Olli, einem Mitarbeiter der ersten Stunde. Während Evan droht, den Verstand zu verlieren, sind es Lima und Olli, die ihn mit einer Mischung aus Schonungslosigkeit, Humor und bedingungsloser Loyalität immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen holen. Gemeinsam bilden sie eine verschworene Gemeinschaft, die zwar ständig am Limit operiert, aber genau darin die Kraft findet, dem äußeren Wahnsinn nicht kampflos das Feld zu überlassen.

Comic und generative KI: Wie BREAK EVAN entstanden ist

Ob Avatar, die Avengers oder das Star Wars-Universum – große Geschichten waren schon immer auch eine Frage der Werkzeuge, mit denen sie erzählt werden. Entscheidend ist dabei jedoch nicht die Technik selbst, sondern die Frage, welche Geschichte sie sichtbar machen soll.

Die Geschichte von Evan und den Leuten, die ihn beim Abenteuer Gründen begleiten, speist sich aus eigenen Erfahrungen, Erlebnissen und dem authentischen Umgang damit. Story, Charaktere, Skript und Storyboard sind deshalb zunächst mit den prähistorischen Tools der alten Welt entstanden: Microsoft Word und Procreate.

Um den „disruptiven Irrsinn“ und den Bruch mit Konventionen stilecht zum Leben zu erwecken, haben wir unser Skript anschließend in handliche Prompts aufgeteilt und diese mithilfe generativer KI visuell umgesetzt. Die künstliche Intelligenz war dabei kein magischer One-Step-Comic-Generator. Sie war vielmehr ein digitaler Sparringspartner, der unsere Charakterskizzen und Szenen Stück für Stück in die von uns erdachte Ästhetik übersetzt hat.

Mit generativer KI zu arbeiten, bedeutete auch, ein wenig Kontrolle abzugeben – zugunsten von Geschwindigkeit, unkomplizierten Korrekturschleifen und neuen visuellen Möglichkeiten. Und da schließt sich der Kreis zur Geschichte selbst: Wer etwas Neues schaffen will, muss bereit sein, mit Unsicherheit zu arbeiten, statt sie vollständig auszuschließen.

Collage Ausschnitt Comic Seiten Break Evan

Warum Unsicherheit beim Gründen kein Versagen ist

Evan entspricht nicht den gehypten Gründungspopstars, die für viele das Maß der Dinge zu sein scheinen. Und trotzdem wird er – soviel Spoiler muss sein – auf die ein oder andere Weise Teil dieser Popkultur. Schlaue Ratschläge, Patentrezepte oder Anleitungen möchte der Comic trotzdem nicht liefern. Was Leserinnen und Leser finden, ist weniger eine klare Lösung als vielmehr Identifikation: Zweifel, Widersprüche und die Erkenntnis, dass der Weg selten so geradlinig verläuft, wie es von außen wirkt. Gerade für Menschen, die selbst gründen oder mit dem Gedanken spielen, kann genau das entlastend sein. Nicht, weil es dadurch einfacher wird, sondern weil klar wird, dass Unsicherheit kein persönliches Versagen ist, sondern Teil des Prozesses.

Wer selbst gründen möchte, muss trotzdem nicht alles auf sich allein gestellt herausfinden. Neben Erfahrung, Austausch und einer gesunden Portion Fehlerbereitschaft hilft auch fundiertes Wissen dabei, aus einer Idee ein tragfähiges Vorhaben zu entwickeln. In unseren ↗ Entrepreneurship-Kursen beschäftigen wir uns deshalb mit den Grundlagen des Gründens, unternehmerischem Denken und den Fragen, die auf dem Weg von der Idee zur Umsetzung entstehen.

Der Startup-Mythos soll damit nicht ersetzt werden, sondern einen Gegenpol bekommen, der zeigt, dass zwischen Hype und Scheitern ein großer Raum liegt. Dort warten die meisten Geschichten. Und vielleicht auch die wichtigsten Lektionen. Und damit hält BREAK EVAN am Ende dann vielleicht doch einen Ratschlag bereit:

Trust the process.

zwinki zwonki

BREAK EVAN selbst lesen:
Du möchtest wissen, wie Evans Geschichte weitergeht? ↗ Lade den vollständigen Comic kostenlos als PDF herunter.